24.08.2018

Sicherheit mit AAL - Themenpatin Prof. Melina Frenken im Interview

Im Gespräch mit renommierten Experten aus dem AAL Umfeld möchten wir Ihnen die diesjährigen Kongressthemen des AAL Wissenschaftskongress näher vorstellen. Heute haben wir uns mit Prof. Melina Frenken zum Thema "Sicherheit mit AAL" unterhalten.

Prof. Melina Frenken

Was ist Ihr Bezug zu Sicherheit mit AAL?

Von 2008 bis 2014 war ich Koordinator für Ambient Assisted Living am OFFIS - Institut für Informatik, Oldenburg; seit 2014 bin ich Professorin für Gebäudesystemtechnik und Ambient Assisted Living an der Jade Hochschule, Oldenburg. Viele der Themen drehen sich um häusliche Assistenz. Dabei spielt Sicherheit eine maßgebliche Rolle.

„Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.“

Was macht das Thema Sicherheit mit AAL für Sie aus?

Sicherheit mit AAL bedeutet, sich durch das System beschützt und geborgen zu fühlen. Dabei ist der Begriff Sicherheit im Deutschen nicht eindeutig. Schöner finde ich die englische Unterscheidung in „Safety“ – körperliche Unversehrtheit und Geborgenheit einer Person, und „Security“ – Sicherheit der Umgebung oder von Daten. AAL kann und sollte zu beiden Bereichen der Sicherheit beitragen. Ein moderner, verbesserter Hausnotruf, verbesserte Alarmsysteme bei (häuslichen) Intensivpflegepatienten oder technisch unterstütze Langzeitassessments zur Sturzprophylaxe sind dabei nur einige Beispiele für die körperliche Unversehrtheit. Zur Sicherheit der Umgebung können technische Assistenzsysteme ebenfalls auf vielfältige Weise beitragen, von der Überwachung häuslichen Umgebung bis hin zum Notruf für die Joggerin sind viele Szenarien denkbar. Und nicht zuletzt ist die Datensicherheit ein Themenbereich. Technische Assistenzsysteme funktionieren nur dann gut, wenn sie Daten über den Nutzer und die Umgebung zur Verfügung haben.

Welche aktuellen Entwicklungen finden Sie besonders spannend? Welche Umsetzungen finden Sie besonders spannend?

Die Diskussion um Cyber-Security ist vor dem Hintergrund der Digitalisierung interessant. Im Bereich AAL wurde bereits lange über die Datensicherheit gesprochen. Die potentiellen Nutzer sind skeptisch, wo ihre sensiblen Daten verarbeitet werden. Gleichzeitig geben sie so viel in sozialen Netzen preis wie noch nie. Sie glauben, ein Facebook, Twitter oder WhatsApp besser einschätzen zu können als das unheimliche System, das einen überwacht. Das Zitat von Epiktet (um 50 - 138 n. Chr.) ist da sehr passend: „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.“

Es ist gut, dass durch den kürzlich öffentlich gewordenen Vorfall bei Facebook das Thema generell mehr ins Licht gerückt ist.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, Risiken oder Chancen?

Trade-off zwischen dem intelligenten System, dass sich anpassen kann und dem gläsernen Menschen. Ein technisches Assistenzsystem muss etwas über den Nutzer wissen, um optimal Unterstützung anbieten zu können. Dazu werden immer mehr Daten erhoben und mit modernen Algorithmen der künstlichen Intelligenz ausgewertet. Die Systeme werden immer besser. Gleichzeitig wird der Mensch immer mehr durchschaubar und vorhersehbar. Die Sicherheit der Daten und die Datenhoheit sehe ich als Risiko und Herausforderung für den Bereich „Sicher mit AAL“. Gleichzeitig müssen den Nutzern die Systeme verständlich gemacht werden, damit sie sich mit AAL sicher fühlen.

Wo sehen Sie das meiste Potential? Wo erwarten Sie die meisten Entwicklungen?

Im medizinisch-, pflegerischen Bereich.

Kurzvita

Frau Frenken ist seit 2014 Professorin für Gebäudesystemtechnik und Ambient Assisted Living an der Jade Hochschule, Oldenburg. Sie ist Mitglied in den Forschungszentren für "Sicherheitskritische Systeme" und "Neurosensorik" der Universität Oldenburg. Schwerpunkte ihrer Arbeit und Forschung liegt auf der Nutzung von psychophysischem Wissen in assistiven oder ambienten Systemen.

Im Rahmen des AAL Wissenschaftskongress wird das Thema "Sicherheit mit AAL" als Unterthema integriert.

Pressekontakt

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Presse
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