30.08.2018

Experteninterview mit Dr. Jan Alexandersson

Ein Highlight des Wissenschaftskongresses bilden die Vorträge unserer eingeladenen Sprecher. Wir freuen uns, Ihnen heute Herrn Dr. Alexandersson vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz – DFKI GmbH in einem Interview näher vorzustellen.

Dr. Jan Alexandersson

Was macht AAL für Sie aus?

AAL steht für menschzentrierte und bedarfsangepasste sozio-technische Systemlösungen, die sich natürlich in das Leben des Einzelnen integrieren lassen. Ich kann nicht oft genug betonen, dass AAL nur dann funktioniert, wenn Dienstleistung und Technologie zusammenspielen. Das Ziel des Ganzen: ein selbstbestimmtes Leben in Würde und mit maximaler Lebensqualität.

„AAL wird erst dann möglich, wenn die Gesellschaft eine Gesellschaft für alle will.“

Welche aktuellen Entwicklungen finden Sie besonders spannend? Welche Umsetzungen finden Sie besonders spannend?

Durch die tiefgreifenden Entwicklungen vor allem im Bereich KI – beispielsweise Deep Learning, Sensor-Technologie und Robotik – gibt es technisch gesehen ein enormes Potential an Lösungen, die wir bis vor wenigen Jahren eigentlich nur aus Science-Fiction-Romanen/-Filmen kannten. Es liegt an uns, die dazugehörigen Dienstleistungen zu entwickeln.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, Risiken oder Chancen?

Vorrangige Herausforderungen sind:

  • Die Anpassung von AAL-Lösungen an die individuellen Bedürfnisse
  • Wir haben uns daran gewöhnen müssen, dass Technologie binnen wenigen Jahren obsolet wird und ersetzt werden muss. Wir müssen daran arbeiten, dass AAL – etwa wie ein Lichtschalter – ein Leben lang funktioniert. Dabei wird es sehr viel einfacher, wenn AAL nicht nur in ganz Deutschland, sondern in ganz Europa etwa gleich funktionieren würde.
  • Die Finanzierungsfrage in Zusammenarbeit mit z.B. den Krankenversicherern. Besonders in Deutschland muss immer die Geldfrage mit betrachtet werden. Aus meiner Sicht müssten die Kosten, die notwendigerweise immer entstehen, von mehreren Stakeholdern bezahlt werden – es ist also eine Frage der Verteilung.

Die größten Risiken:

  • Es ist wie mit fast allem: Missbrauch! Ein Messer kann Brot schneiden. Verwendet man es falsch, kann damit viel Unheil verursacht werden. Beispielsweise ist Wissen über Aktivitäten des täglichen Lebens unabdingbar, um eine persönliche Unterstützung zu gewährleisten. Dieses Wissen kann in den falschen Händen natürlich auch missbraucht werden.
  • Die Entwicklung kleiner Insellösungen, die unabhängig voneinander funktionieren können, aber nicht zusammen mit anderen – sowohl alten als auch neuen – Lösungen harmonieren. Im Jahr 2018 immer noch ein gutes Beispiel: Der Fernbedienungskorb. Die aktuellen Strukturen und Rahmenbedingungen bringen im Wesentlichen Insellösungen hervor. Für die Anbieter lohnt es sich nicht, gemeinsame bereichsübergreifende Lösungen zu entwickeln.

Die Chancen:

  • Die Gesellschaft auf eine neue Entwicklungsstufe zu bringen. Durch geschickt orchestrierte domainenübergreifende AAL-Lösungen könnten wir uns von viel unnötiger Arbeit befreien und unsere Lebensqualität steigern.

Wo sehen Sie das meiste Potential? Wo erwarten Sie die meisten Entwicklungen?

Technologieunterstützte Dienstleistungen in fast allen Bereichen.

Gibt es eine Handlungsempfehlung, die Sie gerne aussprechen möchten?

Es wird bei der Umsetzung von AAL-Lösungen deutlich, dass wir als Gesellschaft holistisch vorgehen müssen. Dabei müssen wir uns darauf verständigen, was wichtig ist und was nicht. Aus meiner Sicht ist Gesundheit am wichtigsten. Somit muss die Gesundheit, der Mensch im Vordergrund stehen, Bürokratie und Finanzierungsfragen sollen sich anpassen. Wenn es uns gelingt, dies umzusetzen, können wir uns nicht nur auf einen schönen Lebensabend freuen, sondern uns von mühseligen und zeitraubenden täglichen Aufgaben befreien!

Kurzvita

  • Research Fellow am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz – DFKI GmbH
  • Leiter Kompetenzzentrum für AAL am DFKI
  • CEO ki elements – Früherkennung und Diagnoseunterstützung bei demenziellen und affektiven Erkrankungen auf Basis der Analyse gesprochener Sprache.

Im Rahmen des AAL Wissenschaftskongress werden noch weitere eingeladenen Sprecher Highlight-Vorträge präsentieren

Diese Webseite verwendet Cookies, um dem Besucher eine bessere Surf-Qualität bieten zu können. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie auf unserer Datenschutz Seite
Ich stimme zu | Meldung schließen