30.07.2018

Nutzer von AAL - Themenpate Professor Frank Wallhoff im Interview

Im Gespräch mit renommierten Experten aus dem AAL Umfeld möchten wir Ihnen die diesjährigen Kongressthemen des AAL Wissenschaftskongress näher vorstellen. Im zweiten Teil sprechen wir mit Professor Frank Wallhoff zum Thema "Nutzer von AAL".

Professor Frank Wallhoff Themenpate “Nutzer von AAL“

Was ist Ihr Bezug zu "Nutzer von AAL"?

In meiner technischen Ausbildung sowie meinem Ingenieursstudium wurde der Blick quasi nur auf die Optimierung der wirtschaftlichen sowie technologischen Funktionen gerichtet. Als Technologieentwickler fokussiert man sich daher schnell nur auf die technischen Details von Assistenzlösungen. Im Sinne einer guten Nutzbarkeit und Akzeptanz von Produkten und Diensten ist es aber eigentlich viel wichtiger zu sehen und zu verstehen, welche Bedarfe Nutzerinnen und Nutzer wirklich haben. Dieser Umstand wurde mir und in der Regel allen Entwicklern jedoch erst dann bewusst, wenn man eine Rückmeldung von den Anwendenden bekommt.

Was macht das Thema "Nutzer von AAL" für Sie aus?

Das Einbinden der Nutzerinteressen in den Entwicklungsprozess durch verschiedene Methoden führt besser zum Ziel. Nur dann können Innovationen reifen und nützlich werden. Ohne die Einbindung kommt es oftmals zu Fehlentwicklungen, welche auf dem Markt nicht Fuß fassen können.

„Unterstützungstechnologien können im Alltag nur dann wirken, wenn sie funktional von ihren Nutzerinnen und Nutzern mitgedacht wurden.“

Welche aktuellen Entwicklungen finden Sie besonders spannend? Welche Umsetzungen finden Sie besonders spannend?

In den letzten Jahren wurden Förderprogramme zunehmend auf die Berücksichtigung von Nutzerinteressen zugeschnitten. Dies ist im Sinne der Passung an reale Bedarfe gegenüber rein technologiegetriebenen Ansätzen zielführend. Eine wesentliche Herausforderung wird es sein, Algorithmen und Programme so zu entwerfen, dass sie gemäß der neuen Datenschutzgrundverordnung konform sind. Das bedeutet, dass Assistenzsysteme keine Daten ohne Einwilligung verarbeiten und speichern dürfen. Hierdurch können Bedenken bezügliches des Datenschutzes bei häufig sehr personenbezogenen Daten eingegrenzt werden, was in der Vergangenheit oftmals zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Innovationen geführt hat.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, Risiken oder Chancen?

Für eine möglichst gute Passung der Mensch-Maschine Schnittstelle muss an vielen Stellen trans- und interdisziplinär gearbeitet werden. Dies erfordert von allen Beteiligten durchaus ein hohes Maß an Bereitschaft zum Blick über den Tellerrand. Der Perspektivwechsel muss zunehmend auch in Studium, Ausbildung und Lehre berücksichtigt werden. Gerade der Bereich der personennahen Servicerobotik hat ein besonders großes Entwicklungspotential.

Wo sehen Sie das meiste Potential? Wo erwarten Sie die meisten Entwicklungen?

Durch die anstehende Digitalisierung im Gesundheits- und Pflegebereich wird es sicherlich noch grundlegend neue Lösungen geben. Gerade im Bereich der Prävention und Gesundheitsvorsorge kann die frühzeitige Auswertung und Interpretation von physiologischen Daten ggf. auch durch individuelle Therapieansätze unterstützen, was zu einem selbstbestimmten und erfüllten Leben beitragen kann.

Gibt es eine Handlungsempfehlung, die Sie gerne aussprechen möchten?

Assistenzlösungen mit hoher Akzeptanz und Nutzbarkeit müssen ganzheitlich in interdisziplinären Teams um die Nutzenden herum entwickelt werden!

Kurzvita

Dr.-Ing. Frank Wallhoff ist seit 2010 Professor für Assistive Technologien an der Jade Hochschule am Studienort Oldenburg. Zudem ist er ans Transferzentrum für anwenderorientierte Assistenzsysteme des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie angebunden. Er forscht und lehrt im Bereich der Mensch-Maschine Schnittstelle, um diversen Nutzergruppen verbesserte Unterstützungstechnologien bereit zu stellen. Aktuell arbeitet er unter anderem an Projekten zur motivierenden Begleitung bei einer Bewegungstherapie durch spielerische Anreize.

Im Rahmen des AAL Wissenschaftskongress wird das Thema "Nutzer von AAL" als Unterthema integriert.

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