03.10.2018

Freiheit versus Überwachung - Diskussionsrunde zu „Aspekte des Technikeinsatzes in der Pflege" - Teil 2

Alltagsunterstützende Assistenzlösungen (AAL) ermöglichen Menschen mit Assistenzbedarf oder chronischen Erkrankungen ein autonomes Leben. In der Diskussionsrunde am 12. Oktober 2018 geht es um die Aspekte des Technikeinsatzes in der Pflege.

Im zweiteln Teil in der Reihe zur Diskussionsrunde erfahren Sie, welche weitere Themen Sie in der Diskussionsrunde erwarten. Kommen Sie zum AAL Praxiskongress und diskutieren Sie mit.

Demenz: AAL-Technik hilfreich für Kontinuität

Familiäre Netzwerke werden vielfach brüchiger und Beziehungen verändern sich. Alternative Unterstützungsressourcen im sozialen Nahraum erhalten deshalb eine wachsende Bedeutung“, betont Dr. Kricheldorff. Dies gilt besonders für Menschen mit Demenz, deren individuelles Erleben im Verlauf der Erkrankung immer stärker von Unsicherheit und Diskontinuität geprägt wird. Vor allem für deren Verbleib in der gewohnten Umgebung und in der Häuslichkeit sind deshalb Maßnahmen hilfreich, die Unsicherheiten und Ängste reduzieren können und die Erfahrung von Kontinuität erhöhen. Zunehmend sind diese mit technischen Systemen verbunden. Erfolgreiche Modellprojekte zum Altern in Sozialraum und Quartier sowie Forschungsergebnisse verweisen hierbei auch auf die Theorien der Ökogerontologie mit zentraler Bedeutung der Person-Umwelt-Passung. Dabei geht es darum, im Sinne innerer und äußerer Kontinuität sowohl subjektiv bedeutsame Kontakte und Beziehungen aufrechterhalten zu können, als auch soziale Teilhabe und biografische Kontinuität in einem gewohnten Umfeld zu gewährleisten. Prof. Dr. Kricheldorff: „Letztlich sind die Erfahrungen aus mobQdem ein wichtiger Baustein für die Realisierung verbesserter Versorgungsrealitäten für Menschen mit Demenz und für eine gelingende Demenzstrategie in Kommunen. Zentral geht es dabei um die Achtung vor der Person des Menschen mit Demenz, aber auch um den gegenseitigen Respekt im Sinne der Abwägung von Bedürfnissen zwischen Angehörigen und Gepflegten.“

Nutzerbedürfnisse ausschlaggebend im Spannungsfeld

Die Gerontologin (FH) Annette Hoppe managt den „Service zwischen Menschen und Technik“ und setzt ihren Schwerpunkt in der Einbindung der Nutzerbedürfnisse bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. „Für meine Mutter und mich bedeutet die Nutzung eines AAL-Systems die Rückkehr zur Freiheit und somit zu einem echten Mutter-Tochter Verhältnis“, erklärt Hoppe. Sie betont: „Der Unterstützungs-, Pflege- und Therapiebedarf ist höchst individuell – ‚eine Einheitslösung für alle und alles‘ gibt es nicht. Daher ist es wichtig, dass sich nicht der Mensch an die Technik, sondern die Technik an den Menschen anpassen muss.“

Sind ethische Aspekte bei der Entwicklung und Nutzung von Assistenzsystemen mit einbezogen, können diese ein autonomes Leben zuhause unterstützen und präventiv wirken. Sie können beispielsweise Veränderungen im täglichen Lebensablauf, etwa durch abnehmenden Wasser- und Stromverbrauch oder abweichenden Schlafrhythmus, erkennen und so wertvolle Hinweise auf eine mögliche Gefährdung geben.

Hoppe weiß: „Nicht die Technik ist dabei das Problem, sondern die Service-Infrastruktur dahinter. So muss beispielsweise jemand einen automatisierten Notruf annehmen und Hilfe veranlassen. Was nutzt der beste Fallschirm, wenn es keinen Gurt dafür gibt?“

Den AAL Praxiskongress mit dieser Diskussion mitzuerleben lohnt sich: Der tatsächliche Nutzen von Technik wird wohl beim „Ethik-Diskussionsforum“ eine zentrale Rolle spielen. Im Kontext des Technikeinsatzes ist Akzeptanz für gewisse Einschränkungen bei Persönlichkeitsrechten zu erwarten, wenn sie einem signifikanten Gewinn an Autonomie gegenüberstehen.

Dieser Beitrag stammt von Mirjam Bauer und Michael Reiter.

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