19.09.2018

Das Pflegeinnovationszentrum (PIZ) „Zukunft der Pflege“

Ein Beispiel für das starke Informationsangebot beim AAL Praxiskongress ist der Vortrag „Das Pflegecluster Zukunft der Pflege – Pflegeinnovationszentrum und Pflegepraxiszentren für innovative Pflegetechnik“ von Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein am 12. Oktober.

Ein Beispiel für das starke Informationsangebot beim AAL Praxiskongress ist der Vortrag „Das Pflegecluster Zukunft der Pflege – Pflegeinnovationszentrum und Pflegepraxiszentren für innovative Pflegetechnik“ von Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein am 12. Oktober 2018. Er ist Sprecher des Bereichs Gesundheit des OFFIS – Institut für Informatik und leitet die Abteilung Assistenzsysteme und Medizintechnik im Department für Versorgungsforschung der Universität Oldenburg.

Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein

Dieses noch junge Cluster wurde im Juni 2017 ins Leben gerufen. Das Projekt – Teil der Förderlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema „Mensch-Technik-Interaktion im Kontext Pflege“ – umfasst neben dem Pflegeinnovationszentrum (www.pflegeinnovationszentrum.de) vier Pflegepraxiszentren in Hannover, Berlin, Freiburg und Nürnberg. Es zielt darauf ab, die Forschung zur Technikentwicklung, die Bedarfsanalyse in der Praxis, die Evaluation neuer Technologien, die Qualifikationsentwicklung und die Reflektion von Ethik und Verantwortung zusammenzubringen. „Die Praxiszentren – gestartet im Februar 2018 – sollen, von einem Pflegeanbieter geleitet, existierende Pflegetechniken evaluieren, in einem größeren Umfang verfügbar machen und beweisen, dass der Technikeinsatz etwas bringt. Die Zentren leisten den Transfer in die Praxis, wir als Innovationszentrum hingegen entwickeln innovative Techniken“, erklärt Professor Hein, der mit fünf weiteren Experten den Vorstand des PIZ stellt.

Körperliche Entlastung im Mittelpunkt

Während andere Projekte den Schwerpunkt auf Erleichterungen bei der Pflegedokumentation legen, beschäftigt sich das PIZ mit Entlastung der Pflegenden bei der körperlichen Arbeit – also etwa beim Umlagern und beim Transport. Derzeit, so der Fachmann weiter, geht es insbesondere um den ambulanten Bereich. Hier beklagen die Pflegenden, dass sie allein gelassen werden mit unbekannten Situationen und Konflikten – in oft unstrukturierten Situationen. In diesem Zusammenhang tritt die Frage auf, wie man Pflegende in der Ausbildung hierauf vorbereiten kann. Das ist eine Herausforderung, die künftig in Anbetracht des demographischen Wandels und der Versorgungsengpässe im ländlichen Raum noch an Bedeutung gewinnt.

Nach dem anfänglichen Fokus des PIZ auf dem ambulanten Bereich wendet sich in den folgenden vier Jahren das Hauptaugenmerk auf die Bereiche Stationäre Pflege, Intensivpflege und Pflegedienstzentrale.

Auf dem Weg zu einem Gütesiegel für Technologie

Eine Konferenz in Oldenburg Anfang Juni 2018 zeigte erste Ergebnisse aus dem Praxiszentrum Freiburg: Dort prüften Sensoren in den Betten die Belastungen, die Umlagerungen nötig machen. Ein Real-Labor im Innovationszentrum stellte den Einsatz von Technologien im ambulanten Bereich nach. Konkret wird beispielsweise über Monitoring im häuslichen Umfeld die Situation vor Ort so präsentiert, dass zu erkennen ist, was der Pflegende allein leisten kann – und was nicht. In der Folge kam eine erste Robotikkomponente dazu, die aus der Ferne den allein Pflegenden unterstützt, um seinen Körper zu schonen. Fragen wie „Wie halte ich den Patienten, wenn ich ihn gerade umlagere“; „Kann der Vorgang mit Einsatz eines Roboters körperschonender passieren?“ erläutern diese Demonstrationen.

Das Zentrum in Nürnberg baut einen strukturierten Prozess auf, der Firmen und Forschungseinrichtungen bewertet und evaluiert. Ziel ist ein „Gütesiegel“ für die Praxistauglichkeit und Wirksamkeit, für rechtliche Zulässigkeit und ethische Vertretbarkeit. Es soll ferner eine „Vorprüfung“ in Richtung der Vergütungsmöglichkeiten beinhalten.

Akzeptanz für Technologie aufbauen

Es geht bei diesem Projekt weniger um die Erreichung konkret messbarer Ziele als um die Schaffung von Akzeptanz für Technik in der Pflege, den breiteren Praxiseinsatz, die Schaffung von Evidenz und das Greifbarmachen von Technologien. Prof. Dr. Hein: „Wir wollen ein ‚Was ist möglich-Gefühl‘ bei den praktisch Pflegenden sowie auch in den Leitungsebenen erreichen und den Pauschalvorbehalt gegen den Technikeinsatz aufheben … und zeigen, was möglich ist – mit einer weiteren Konkretisierung im Laufe der Projektjahre.“

Dieser Beitrag stammt von Mirjam Bauer und Michael Reiter.

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